Unser ökologisches Jahr

Nun ging die Zeit wieder so schnell vorbei!
Wir erinnern uns, wie wir im Winter für das erste diesjährige Gartenprojekt, den Reisighaufen, Löcher ausgehoben und Holz gesammelt haben. Inzwischen ist er umgrenzt, gewachsen, beschildert und bewohnt…?

Wir, Stephanie und Judith, verbringen nun die letzten Tage auf der Arbeit unseres ökologischen Freiwilligendienstes (ÖBFD und FÖJ). Im Rückblick stellen wir fest, dass die Arbeit bei wachsenlassen und der Grünen Bibliothek uns in vielerlei Hinsicht vorangebracht hat.
Sie hat uns vor unsere Unsicherheiten gestellt und uns sowohl ein gestärktes Bewusstsein in unsere Fähigkeiten gegeben als auch vorher unbekanntes Können aufgedeckt. Mit Motivation haben wir durch die praktische Arbeit viel dazugelernt, sodass wir uns heute besser im Garten, in der umfangreichen Umweltthematik, in der Arbeit mit Kindern und gestalterischen Mitteln auskennen.
Die Zeit, für Stephanie ein ganzes Jahr, für Judith 8 Monate, hat auf uns richtunggebend gewirkt und unsere Interessen vertieft. Somit geht es für uns im Bildungs- und Arbeitsweg schon bald weiter.
Abgesehen von dem Garten werden wir vor allem auch das Arbeiten mit den Kollegen vermissen. Denn in Gemeinschaft haben wir Pläne und Ideen für den Garten entworfen, die Entwicklung beobachtet und schöne Erinnerungen gesammelt.

Es war ein gutes, sehr gelungenes Jahr, das uns beide noch lange weiter begleiten wird.
Und wir wünschen den Kollegen, dem Garten und den nachfolgenden Freiwilligen viel Glück und Freude für die kommende Zeit.

Bis bald!

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Fullhouse im Sprech Café

Es ist der 9.2.2017, ein Donnerstagnachmittag um 16 Uhr. Menschen aus den unterschiedlichsten Bezirken Berlins treffen sich im Nachbarschaftstreff an der Stadtbibliothek Tiergarten Süd. Sie sitzen rings um die hölzernen Tische und tragen ihren Namen gut sichtbar auf  einem Kleidungsstück. Sie kennen sich bislang nicht. Der Nachbarschaftstreff ist gut gefüllt.

Als ich den Raum betrete lese ich die Namen: Mohammad, Abdullah, Raeb, Susanne, Ida. Eine bunte Mischung. Der Name Mohammad scheint besonders oft vorzukommen. Ich werde  von Ida mit einem freundlichen Hallo angesprochen. Sie ist eine der vielen Freiwilligen hier. Ich kann ihre Freude spüren, darüber dass ich erneut zum Sprech Café erschienen bin. Hier wird jede Hand gebraucht. Dies ist mein zweites Mal im Sprech Café.

Ich setzte mich zu einem jungen Mann, der alleine an einem Tisch sitzt und auf sein Handy guckt. Als ich mich hinsetze und ihn begrüße legt er schnell sein Handy weg.  Ich stelle mich vor und wir fangen an uns zu unterhalten. Ich frage ihn wie alt er ist, woraufhin er meint ich soll schätzen. Mein Tipp geht nach kurzem Überlegen auf 24 Jahre. Er ist erstaunt und meint, das sei korrekt. Die Stimmung lockert sich. Er kommt seit 8 Wochen jeden Donnerstag hier her. Er fängt an zu erzählen, von seiner Familie in der Türkei. Er hat auch Freunde in Berlin. Sie sind alle in Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Er habe Konditor gelernt, es sei jedoch schwierig hier an einen Job zu gelangen. Er übt fleißig deutsch und muss eine Reihe von Sprachstufen ablegen. Danach könne er in die Schule gehen und am Ende dieses langen Weges einen ordentlichen Beruf als Konditor in Deutschland ausüben. Die Informationen sprudeln nur so. Ich bemerke, dass dieses Gespräch ihm gut tut. Dann erzählt er darüber, dass er in 2-3 Wochen aus seiner derzeitigen Unterkunft raus muss und dann keine Unterkunft hat.

Ich verstehe das nicht und versuche zu vermitteln. Er soll sich bei den Leuten im Sprech Café erkundigen. Das Sprech Café ist nicht nur dafür da die Sprachkenntnisse zu verbessern. Hier kommen viele Menschen zusammen und man kann wichtige Informationen und Ideen austauschen. Susanne, eine andere Ehrenamtliche, helfe ihm bereits dabei eine Wohnung zu finden. Ich merke, dass ihm diese unsichere Zukunft zu schaffen macht.

Während wir uns unterhalten, werden wir immer wieder durch dazukommende Menschen mit einem Händeschütteln begrüßt. An unserem Tisch, an dem wir anfangs zu Zweit saßen, sitzen wir mittlerweile zu neunt. Ich schaue mich um und sehe, dass wir inzwischen mehr als 40 Leute sind. Ich beziehe einen zweiten Mann in unser Gespräch, Wael und Mohammad beginnen eine Unterhaltung.

Ich verabschiede mich nach kurzer Zeit. Die Beiden reden noch immer.

Nächste Woche werde ich wieder hier sein im Sprech Cafè.

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Das Sprech Café findet jeden Donnerstag von circa 16-19 Uhr statt im Nachbarschaftstreff an der Stadtbibliothek Tiergarten, Lützowstr. 27 10785 Berlin.