Mittagsgespräch am 15.02.2018 “ Wie können wir gemeinwohlorientiert wirtschaften?“

In den Räumen des NABU fand am Donnerstag (15.02.) ein Mittagsgespräch
unter der Frage „Wie können wir gemeinwohlorientiert wirtschaften?“ statt.
Die Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende hat insgesamt drei
Veranstaltungen dieser Art zu verschiedenen Themenfeldern nachhaltigen
Wirtschaftens abgehalten, um gesellschaftliche und wirtschaftliche
Transformationspfade aus NaWi-Projekten (gefördert durch das Bundesinstitut für Berufsbildung) zu reflektieren und diskutieren.

Um eine nachhaltige gesellschaftliche und landwirtschaftliche Wende herbeizuführen, kommt man nicht umhin, auch Veränderungen an bestehenden Wirtschaftsweisen vorzunehmen. Es werden neue Modelle des Wirtschaftens entwickelt, die neben finanziellen Erträgen gleichermaßen oder vor allem die Beiträge zum Gemeinwohl messen. Betriebe und Verbände machen ihre Erfolge in diesem Konzept anhand neuer Maßstäbe aus.
Voraussetzungen dafür sind ein erweitertes Wohlstandverständnis und eine relative Unabhängigkeit vom Markt und Wirtschaftswachstum.

Ein möglicher Ansatz ist das aus Österreich stammende Konzept der GWÖ (Gemeinwohl-Ökonomie), das sich in den vergangenen Jahren in Richtung Europa und Amerika verbreitet hat. Es wird als ethisches Wirtschaftsmodell beschrieben, bei dem das Wohl von Mensch und Umwelt oberstes Ziel ist. So soll es als Veränderungshebel auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene Wirkung haben.
Um den Beitrag eines Betriebes, einer Bildungseinrichtung oder eines Verbandes mess- und vergleichbar zu machen, zieht man als Äquivalent zur Finanz-Bilanz auch eine „Gemeinwohl-Bilanz“, die in der „Gemeinwohl-Matrix“ dargestellt wird. Durch eine ausführliche Befragung können Aussagen über die Erfüllung der Werte gemacht werden, die ein gutes Leben fördern, im Bezug auf die verschiedenen Berührungsgruppen, mit denen der Betrieb meistens in Kontakt steht.

Gemeinwohlmatrix
Dabei werden Punkte nur für solche Aktivitäten vergeben, die über die Erfüllung des gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen.
Exemplarische Fragen sind: „Wird die Menschenwürde geachtet?“, „Wird ökologische Nachhaltigkeit sichergestellt?“ oder „Wie transparent, solidarisch und demokratisch werden unternehmerische Ziele erreicht?“
Im besten Fall könnten so auf lange Sicht durchgehend menschenwürdige Arbeitsplätze, hochwertige Produkte und Dienstleistungen entstehen, während sich Umweltschäden und soziale Probleme verringern.

In dem Mittagsgespräch haben die verschiedenen NaWi-Projekte ihre Inhalte und Ergebnisse präsentiert:

  • Das Projekt „GIVUN“ der Europa-Universität Flensburg hat das Konzept der GWÖ sowie andere bestehende unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategien vergleichend bewertet. Im Fokus des Forschungsprojektes steht die Auswirkung der betrieblichen Gemeinwohlorientierung auf die konkreten Arbeits- und Produktionsbedingungen.
  • Der erste zertifizierte Betrieb Berlins, der einen Gemeinwohlbericht erstellt hat, ist das „Märkische Landbrot“. Ein Vertreter hat einen Auszug der Strategien des Betriebes vorgestellt, die eine hohe Gemeinwohl-Bilanz ermöglichen können. Dafür werden zum Beispiel keine Kosten für ein gasbetriebenes Lieferantenauto gespart, um eine geringere Emissionsrate zu erzielen.
  • Greenpeace hat ebenfalls eine Bilanz erstellt. Dabei haben sich einige Unklarheiten aufgetan, vor allem im Bezug auf gemeinnützige Verbände. Denn in diesen Fällen gibt es weder ein konkretes Produkt noch einen konkreten Kunden. Außerdem werden Umweltprojekte im Vergleich zu Sozialprojekten eher geringer bewertet, obwohl sie im Nachhaltigkeitskontext eine große Rolle spielen.
  • Das Projekt „COWERK“ der Uni Bremen untersucht am Beispiel offener Werkstätten die Praxis neuer kollaborativer Wirtschaftsformen. Durch eine Nachhaltigkeitsbewertung soll die Bedeutung solcher Einrichtungen als Akteure eines gesellschaftlichen Tranformationsprozesses gemessen und auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden. Offene Werkstätten sind ein fortschrittlicher Ansatz, um negative Umwelteffekte zu verringern, indem die Nutzungsdauer von Verbrauchsgütern verlängert wird. Außerdem werden verschiedene Fertigungstechnologien zugänglich gemacht und fachliches Know-how im gemeinschaftlichen Arbeiten ausgetauscht.

Im Anschluss an die Projektpräsentationen fand eine sogenannte Fishbowl-Diskussion statt. Dabei wurden (im Ansatz) nötige politische Rahmenbedingungen erörtert sowie die Frage nach der Praxisnähe und Massentauglichkeit des GWÖ-Konzepts.

Das Mittagsgespräch hat einen umfangreichen Einblick in eine neue Bewegung gegeben, die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortungen miteinander verbindet.
Es waren Vertreter verschiedener Unternehmen und Verbände anwesend, die durch kontroverse Beiträge eine lebhafte Diskussion zustande brachten.

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Einladung zum Mittagsgespräch, 15.02.2018 mit Kurzbeschreibung der einzelnen Projekte
Zivielgesellschaftliche Plattform Forschungswende
Gemeinwohl-Ökonomie

 

 

 

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„2000m²“ in unserem Garten und in der Grünen Bibliothek

„Wozu braucht der Mensch den Acker?“2000m2
„Um zu essen“, würden die meisten zu Recht sagen.
Aber bedenken wir dabei auch, dass der Acker eine Grundlage unserer Kleidung und zunehmend unserer Energieversorgung bildet? Dass ein Großteil der Tierfütterung zukommt? Und sind wir uns dabei der Verantwortung gegenüber der begrenzten Ressource „Ackerland“ bewusst?
Diesem Thema widmet sich das Projekt „2000m²“ der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Als Umweltbildungsprojekt soll es auf den Zusammenhang zwischen unserem Konsumverhalten und dem Verbrauch an Ackerfläche aufmerksam machen.
2000m² sind hier der Anteil an Ackerboden, der jedem Bürger auf der Welt rein rechnerisch zusteht.
Einerseits zeigt die Realität jedoch eine sehr ungleiche Verteilung auf der Welt, die unter anderem zu Hungersnöten führt, obwohl doch eigentlich für jeden genug vorhanden wäre.
Andererseits werden große Teile des Ackers durch die Agrarindustrie eher zweckentfremdet, wobei die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft einen zu geringen Stellenwert hat.

Mit Hilfe zweier „Instrumente“ des Projektes, wird ein Denkanstoß gegeben und das Thema erfassbar gemacht.

WeltackerDer „Weltacker“, der vergangenes Jahr auf dem IGA-Gelände in Marzahn zu sehen war und nun nach Pankow in den Botanischen Volkspark zieht, zeigt exemplarisch, wie diese 2000m² eines Menschen pro Jahr genutzt werden. Auf dem Acker sind also alle wichtigen Kulturpflanzen (Getreide, Ölpflanzen, Obst, Gemüse, Fasern usw.; Weidefläche der Tiere  ausgenommen) im globalen Maßstab angepflanzt worden.
Die andere Herangehensweise ist das sogenannte „Flächenbuffet“.
Bei diesem wird veranschaulicht, wie viel Fläche für ein einzelnes Gericht verwendet wird. Darauf werden die einzelnen Zutaten maßstabsgetreu und so weit wie möglich angepflanzt. Das „Ergebnis“ im Verhältnis zu den 2000m² kann so eine Aussage über die Ernährung und derren Nachhaltigkeit treffen.
Das Projekt hat auf der IGA großen Anklang gefunden. Nun soll ein Netzwerk aufgebaut werden, bestehend aus verschiedenen Gärten landes- und bundesweit, die das Projekt auf der ihnen zur Verfügung stehenden Fläche ebenfalls vertreten; entweder mit einer Parzelle des Weltackers oder einem eigenen Flächenbuffet.

Wir freuen uns, Teil des Projektes zu werden und somit auch am weiteren Gestaltungsprozess beteiligt zu sein. Wir werden in unserem Garten bzw. vor der Bibliothek Tomaten für den Weltacker und voraussichtlich eine Pizza für unser Flächenbuffet anpflanzen.
Bei der Umsetzung werden wir durch das 2000m²-Team angeleitet und unterstützt.
Sozusagen als Pilotgruppe waren wir dafür am 12.02. bei dem Flächenbuffet-Multiplikatoren Workshop. Programmpunkte des Tages waren der Bildungsauftrag des Projektes, gärtnerische Hinweise, weitere Anleitungen sowie unser kritischer Blick auf das Konzept des Flächenbuffets und eine Pause zum gemeinsamen Kochen, bei dem wir uns natürlich auch auf die dafür verwendete Ackerfläche konzentriert haben.
Entscheidend an dem Tag war vor allem die Diskussion über die Knackpunkte des Projektes. Dabei ist offensichtlich geworden, dass jeder eine andere Auffassung der Gewichtung der einzelnen Teilaspekte hat, die vermittelt werden sollen. Da man in „2000m²“ unzählige Informationen, Vergleiche und Kritiken an der heutigen Agrarindustrie oder globalem Konsumverhalten stecken könnte, fällt es schwer, den Fokus zu halten und es nach wie vor für jeden greifbar zu machen. Andererseits kann aber so jeder Garten seine individuelle Auffassung des Projektes darstellen ohne, dass die erzielte Wirkung dadurch verloren geht.

Die verwendeten Grafiken sind der Website entnommen.
Für einen tieferen Einblick in das Projekt: www.2000m2.eu
Bei Fragen zur Umsetzung in unserem Garten bitte an wachsenlassen@web.de wenden

 


„Wir haben Agrarindustrie satt“, Demo am 20.01.2018

Viele junge Menschen, viele Familien, Umweltaktivisten und Bauern sehen der Zukunft
der Landwirtschaft und unserer Lebensweise sorgenvoll entgegen.
Kleine Bauernbetriebe werden durch Großkonzerne in die Abhängigkeit getrieben.
Nahrungsmittel werden verschwendet.
Unser Essen ist durch den Einsatz von Düngemitteln und Antibiotika in der Tierzucht gesundheitsgefährdend.
Durch lange Transportwege, die kreuz und quer über den Globus führen, wird die Umwelt schwer belastet.
In der Politik wird eher im Sinne der konventionellen Landwirtschaft gehandelt als im Interesse Landwirte und Verbraucher. Doch die konventionelle Landwirtschaft ist nicht mehr zukunftsfähig.
Es gibt Gründe genug, um für eine Agrarwende zu demonstrieren!

Demo 1

Das taten am 20. Januar circa 33.000 Menschen auf der Demonstration
„Wir haben Agrarindustrie satt“. Mit Bannern und vielen kreativen Verkleidungen zog die Menschenmenge auf Kochtöpfen trommelnd vom Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel bis zum Brandenburger Tor. Angeleitet wurde sie von einer Treckerparade bestehend aus 160 Traktoren.
Demo 2
Auch das Wirtschaftsministerium wurde passiert, wo zeitgleich die Agrarministerkonferenz stattfand. Natürlich wurde dort besonders laut getrommelt.
Gefordert wird eine Agrarwende, die vor allem durch Reformen in der Politik eingeleitet wird. Denn die Politik entscheidet maßgeblich, wessen Interessen vertreten werden und wer auch finanziell unterstützt wird.
Während mit Großkonzernen kooperiert wird, sind die Bedürfnisse der Bürger*innen, Bäuerinnen und Bauern zur Zeit anscheinend zweitrangig.
Das bewies unlängst Christian Schmidt (Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft) bei seinem Alleingang in der Entscheidung zum weiterbestehenden  Einsatz von Glyphosat.
Sein Handeln hat viel Wut auf die Politik hervorgerufen. Von der Bundesregierung der nächsten vier Jahre wird gefordert, die Landwirtschaft wieder ökologischer zu gestalten und dabei auch Kleinbetrieben eine Überlebenschance zu bieten.

Aus dem täglichen Verlust an brauchbaren Nahrungsmitteln konnte für die Demonstration allerdings etwas Gutes gewonnen werden:
mit tonnenweise nicht verkauftem – weil nicht der Norm entsprechendem – Gemüse wurde für die Demonstrierenden gekocht und so für das leibliche Wohl gesorgt.
Dazu fand am vorherigen Tag die „Schnippeldisko“ unter Organisation der „Fläming Kitchen“ statt, wo das Gemüse zu Musik, Getränken und guter Laune geschnitten wurde.

Die Demonstration hat einen starken Eindruck hinterlassen. Sie hatte einen sehr mahnenden Charakter und war durchaus durch Wut und Ärger angetrieben. Aber gleichermaßen hatte sie eine sehr positive und freudige Energie.

www.wir-haben-es-satt.de


Fullhouse im Sprech Café

Es ist der 9.2.2017, ein Donnerstagnachmittag um 16 Uhr. Menschen aus den unterschiedlichsten Bezirken Berlins treffen sich im Nachbarschaftstreff an der Stadtbibliothek Tiergarten Süd. Sie sitzen rings um die hölzernen Tische und tragen ihren Namen gut sichtbar auf  einem Kleidungsstück. Sie kennen sich bislang nicht. Der Nachbarschaftstreff ist gut gefüllt.

Als ich den Raum betrete lese ich die Namen: Mohammad, Abdullah, Raeb, Susanne, Ida. Eine bunte Mischung. Der Name Mohammad scheint besonders oft vorzukommen. Ich werde  von Ida mit einem freundlichen Hallo angesprochen. Sie ist eine der vielen Freiwilligen hier. Ich kann ihre Freude spüren, darüber dass ich erneut zum Sprech Café erschienen bin. Hier wird jede Hand gebraucht. Dies ist mein zweites Mal im Sprech Café.

Ich setzte mich zu einem jungen Mann, der alleine an einem Tisch sitzt und auf sein Handy guckt. Als ich mich hinsetze und ihn begrüße legt er schnell sein Handy weg.  Ich stelle mich vor und wir fangen an uns zu unterhalten. Ich frage ihn wie alt er ist, woraufhin er meint ich soll schätzen. Mein Tipp geht nach kurzem Überlegen auf 24 Jahre. Er ist erstaunt und meint, das sei korrekt. Die Stimmung lockert sich. Er kommt seit 8 Wochen jeden Donnerstag hier her. Er fängt an zu erzählen, von seiner Familie in der Türkei. Er hat auch Freunde in Berlin. Sie sind alle in Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Er habe Konditor gelernt, es sei jedoch schwierig hier an einen Job zu gelangen. Er übt fleißig deutsch und muss eine Reihe von Sprachstufen ablegen. Danach könne er in die Schule gehen und am Ende dieses langen Weges einen ordentlichen Beruf als Konditor in Deutschland ausüben. Die Informationen sprudeln nur so. Ich bemerke, dass dieses Gespräch ihm gut tut. Dann erzählt er darüber, dass er in 2-3 Wochen aus seiner derzeitigen Unterkunft raus muss und dann keine Unterkunft hat.

Ich verstehe das nicht und versuche zu vermitteln. Er soll sich bei den Leuten im Sprech Café erkundigen. Das Sprech Café ist nicht nur dafür da die Sprachkenntnisse zu verbessern. Hier kommen viele Menschen zusammen und man kann wichtige Informationen und Ideen austauschen. Susanne, eine andere Ehrenamtliche, helfe ihm bereits dabei eine Wohnung zu finden. Ich merke, dass ihm diese unsichere Zukunft zu schaffen macht.

Während wir uns unterhalten, werden wir immer wieder durch dazukommende Menschen mit einem Händeschütteln begrüßt. An unserem Tisch, an dem wir anfangs zu Zweit saßen, sitzen wir mittlerweile zu neunt. Ich schaue mich um und sehe, dass wir inzwischen mehr als 40 Leute sind. Ich beziehe einen zweiten Mann in unser Gespräch, Wael und Mohammad beginnen eine Unterhaltung.

Ich verabschiede mich nach kurzer Zeit. Die Beiden reden noch immer.

Nächste Woche werde ich wieder hier sein im Sprech Cafè.

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Das Sprech Café findet jeden Donnerstag von circa 16-19 Uhr statt im Nachbarschaftstreff an der Stadtbibliothek Tiergarten, Lützowstr. 27 10785 Berlin.


Buchpremiere am 19.3. in Berlin

Christina Bylow und Kristina Vaillant
präsentieren ihr Buch
Die verratene
Generation
Moderation: Tanja Samrotzki
Mittwoch, 19. März, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin, Kaminzimmer
Fasanenstraße 23
10719 Berlin
Eintritt frei
Um Platzreservierung wird gebeten unter:
veranstaltungen@droemer-knaur.de

„Wir wollen über die Frauen der
geburtenstarken Jahrgänge anders
berichten, als es bisher geschehen ist.
Wir wollen sie nicht als besondere
Exemplare weiblichen Muts und
Pioniergeists feiern, die Hindernisse
überwunden haben. Sondern diese
Hindernisse als das beschreiben, was
sie sind: Zumutungen.
Dazu gehören ein ungerechtes Renten-
und Steuersystem, mangelnde Betreu-
ungsmöglichkeiten, als die Kinder klein
waren, und die Diskriminierung von
Frauen, die älter als vierzig sind.“

http://www.textetage.com/journalismus/christina-bylow/buchbeitraege.html