Kräuterführung: Stadtgärtnern mit der Natur

Wir laden ein zu einer Wild-und Küchenkräuterführung in unserem Gemeinschaftsgarten.

Anhand einiger ausgewählter Kräuter erfahren wir, wie diese leicht auf Balkon, Terasse oder im Garten zu kultivieren sind, lernen Hilfreiches über ihre Anbaubedingungen, Ernte und Wirkkräfte.
Wir nehmen uns Zeit für eine kleine Gartenführung und sind offen für eure persönlichen Fragen.

Dieses Angebot richtet sich an Einsteiger*innen in der urbanen Kräuterkunde.

Der Spaziergang beinhaltet eine Kräuterspende von Seiten des Gartens zur individuellen Weiterverabreitung, im Gegenzug dafür freuen wir uns über eine Erlebnisspende!

Wann: Do, den 4. Juni 2020, 17.00 – 19.00 Uhr

Wo: Gemeinschaftsgarten wachsenlassen,
Kiez Zentrum Villa Lützow
Lützowstr. 28, 10785 Berlin

Aufgrund der aktuellen Maßnahmen wegen COVID-19 auf unserem Gelände ist dieser Spaziergang auf 5 Teilnehmer*innen beschränkt und wir bitten um Anmeldung unter: wachsenlassen@web.de

Kräuterführung 4.6.

 


Nektar der Königinnen

Sie bevölkert den frühen Frühling mehr als je zuvor: Die Purpurrote Taubnessel. Die Witterungsbedingungen der letzten Jahre scheinen ihr besonders zu liegen und so bildet sie vielerorts rosa-getupfte Teppiche. Die zierliche aber zähe Pflanze mit den dunkelrosa Lippenblüten schmückt Gärten, ziert Wege und verschönert Schuttplätze, noch bevor die meisten anderen Frühlingsblüher ihr Konkurrenz machen können. Auch unseren Kräutergarten hat sie sich vorübergehend erobert. Zum Glück der Hummelköniginnen und anderen Insekten, die unsere Insektenwand schon zahlreich besiedeln. Sie alle erfreuen sich an ihrem Nektar und eiweißreichen Pollen. So herrscht im Kräutergarten reges Treiben über dem Taubnesselfeld und die ein oder andere Blüte ist hart umkämpft.

Denn die Purpurrote Taubnessel hat mehr zu bieten als die meisten anderen Pflanzen zu dieser frühen Jahreszeit. Neben Pollen lockt sie auch mit wertvollem Nektar. Die Hummelköniginnen, die nun damit befasst sind, ihr Volk zu gründen, legen Honigvorräte an, die sie aus dem Nektar bilden und nutzen den Pollen um ihre ersten Larven zu füttern. Um es den Insekten besonders leicht zu machen, sind die Blütenblätter der Purpurroten Taubnessel, wie bei allen Lippenblütlern, miteinander verwachsen und bilden Unter- und Oberlippe. Damit bietet sie den Insekten auf der Unterlippe einen perfekten Landeplatz um von da aus an den Nektar im Inneren der Blüte zu gelangen. Auf dem Weg dorthin streifen sie Staubblatt und Stempel an der oberen Lippe und sorgen so für Bestäubung und Weiterverbreitung des Pollens.

Außer den fliegenden Insekten helfen auch Ameisen der Purpurroten Taubnessel bei ihrer Verbreitung. Sie sind an den nährstoffreichen Ölkörperchen der Samen interessiert. Dazu schleppen sie die Samen eigens in ihren Bau, trennen das Ölkörperchen ab und bringen den Samen wieder hinaus.

Sollte sich trotz all ihrer Verlockungen dennoch niemand finden, um der Purpurroten Taubnessel bei ihrer Verbreitung zu helfen, ist sie in der Lage sich selbst zu bestäuben. Kein Wunder also, dass das zähe Pflänzchen uns und den Insekten so zahlreich die ersten Frühlingstage versüßt. Sind ihre Samen einmal ausgebracht, wächst sie schnell und kann pro Jahr drei bis vier Generationen hervorbringen. Manche der Pflanzen blühen auch im Winter und so lässt sich wohl erklären, weshalb der Purpurroten Taubnessel die letzten milden Winter besonders zuträglich waren.

Unseren Gemeinschaftsgarten bevölkert sie neben dem Kräutergarten auch an vielen anderen Orten. Diese erste Generation der Purpurroten Taubnessel überlassen wir, bis auf ein paar Handvoll, den Insekten und freuen uns an dem Gedanken, die Hummelköniginnen bei der Gründung ihrer Völker zu unterstützen. Denn die Königinnen sind die einzigen Überlebenden des letzten Jahres und müssen nun ganz alleine dafür sorgen, dass ein neues Hummelvolk unsere Welt belebt.

Ein paar der Blüten haben wir geerntet und trocknen sie für Teemischungen, die wir hoffentlich bald wieder mit euch gemeinsam genießen können. Außer für Tee eignet sich die Purpurrote Taubnessel auch zum Verzehr in Salaten oder zubereitet wie Spinat. Manche backen sie auch in Pfannkuchenteig aus. Zum Sammeln trennt man die oberen Spitzen mit Blättern und Blüten ab. Die einzelnen Lippenblüten kann man als Deko für Salate oder Süßspeisen verwenden oder aus ihnen Sirup herstellen. Auch in Smoothies und Suppen wird die Purpurrote Taubnessel verzehrt, denn wie die meisten Wildkräuter bietet sie wertvolle Vitamine, wie Vitamin C und B und weitere Nährstoffe für uns Menschen. Als Heilpflanze ist die Purpurrote Taubnessel weniger populär, als ihre Verwandte, die weiße Taubnessel, doch an mancher Stelle wird sie als entzündungshemmend und die Nierentätigkeit anregend beschrieben.

Steckbrief:

  • Botanische Bezeichnung: Lamium purpureum
  • Lebensdauer: einjährig
  • Herkunft: Europa
  • Vorkommen: Gärten, Brachflächen, Äcker, Wegränder
  • Wuchs: niedrig, aufrecht
  • Blätter: grün, eiförmig, gekerbt, oft rötlich überhaucht
  • Blütezeit: April bis Oktober und teils im Winter 
  • Blüten: purpurn, Lippenblüten
  • Früchte: vierteilige Spaltfrüchte
  • Standort: Sonne bis Halbschatten
  • Boden: frisch, nährstoffreich, locker
Purpurrote Taubnessel / Lamium purpureum