Vernetzung der Nachbarschaft durch den Gemeinschaftsgarten wachsenlassen – das erste Jahr

Seit Juni dieses Jahres konnten wir – durch die Bewilligung unseres Antrages auf ein Pilotprojekt im Rahmen des Programms Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften (FEIN) – unser Anliegen, den Gemeinschaftsgarten wachsenlassen als einem Raum für nachbarschaftliches Engagement mit dem Schwerpunkt aktiver Umweltschutz zu etablieren, weiter ausbauen.

Wir freuen uns darüber, dass viele interessierte kleine und große Menschen seither den Weg in unseren Garten gefunden haben und wir somit gemeinsam (trotz des Dürrejahres 2018) eine schöne Ernte einfahren konnten.

Den offiziellen Auftakt bildete unser erster offener Gartentag nach den sommerlichen Schulferien.

Hier kamen Nachbarn unterschiedlichster Art zusammen und ins Gespräch miteinander: Menschen, die sich konkret für ein Mitgärtnern bei uns interessierten konnten sich austauschen mit denen, die schon dabei sind, andere, die einfach nur mal schauen wollten ‚was ihr hier eigentlicht macht‘ und die vielen Kinder, die den Freiraum im Garten schnell für sich erschlossen und miteinander spielten, währen die Erwachsenen in Ruhe bei Kaffee und Kuchen saßen.

Schnell fanden sich auch einige Nachbar*innen zusammen, denen die Idee gefiel, so etwas wie ein Kiez-Buch Tiergarten-Süd herzustellen. Unter dem Motto ‚Unser Leben im Kiez‘ sollen hier in den nächsten Jahren persönliche Berichte und Erfahrungen gesammelt und in literarischer Form zu Papier gebracht werden. Gearbeitet daran wird seither in Einzel- und Gruppengesprächen.

Im Frühherbst kamen wir erneut mit Nachbar*innen und Mitgärtner*innen zusammen, um gemeinsam unseren kleinen Kartoffelacker abzuernten und diese dann danach somit wirklich erntefrisch und regional zu genießen.
Gebacken im Lehmofen des Familiengartens, waren sie wirklich sehr, sehr lecker, wenn auch die Ernte nach der langen Trockenheit kleiner ausfiel als in Jahren davor.

Wieder ein gelungener Tag inmitten unserer Nachbarschaft:
Der derzeit letztmögliche Platz für ein eigenes Beet wurde an eine neue Familie vergeben und drei Nachbar*innen fanden sich ein, die seither regelmäßig bei Einzelaktionen dabei sind.
Die – noch nicht optimale – Barrierefreiheit unseres Gartens wurde getestet:
Unabhängig voneinander kamen zwei Damen im Rollstuhl mit ihren Töchtern vorbei und freuten sich besonders über die Kartoffeln, ‚die so wie früher‘ schmeckten. Wir erfuhren, dass sie gemeinsam mit ihren Töchtern öfter unseren Garten aufsuchten (also zumindest bedingt rollstuhltauglich), weil es für sie so ein schöner, grüner und ruhiger Aufenthaltsort inmitten des Großstadtgetriebes sei.
Beide alten Damen hatten früher auch Gärten und seien froh, so etwas jetzt in ihrer Nachbarschaft zu haben, um sich dort ab und an dort aufzuhalten.

Neben unseren offenen Gartentagen konnte in den vergangenen Monaten viel an der Infrastruktur des Gartens gearbeitet werden:
Vorhandene Bänke erstrahlen in neuen Farben, Beetumrandungen wurden geschaffen, wichtige Um- und Neupflanzungen vorgenommen. Im Bereich an der Lützowstraße wurde ein neuer Bereich mit einer offenen Kiesdecke angelegt und mit passenden Stauden bepflanzt, der hoffentlich den Klimaveränderungen in unseren Breitengraden besser standhalten kann; erste grundlegende Strukturen für Nist- und Lebensbereiche für Wildbienen, Vögel und andere Insekten geschaffen, neue Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für kleine Mitgärtner*innen geschaffen.

Und immer haben sich zu diesen Arbeiten engagierte Nachbar*innen eingefunden, um diese Arbeiten gemeinsam mit uns durchzuführen!

Mit den nachbarschaftlichen Mitgärtner*innen ist die Restaurierung zweier Hochbeete in Arbeit und das Fundament für unsere Trockenmauer mit integrierten Nistplätzen für Wildbienen ist gelegt. Alles Arbeiten, die noch vor einem Wintereinbruch erledigt sein sollten.

Den uns vom Amt für Weiterbildung, FB Bibliotheken Berlin Mitte für unsere Arbeit als Treffpunkt für die Nachbarschaft zur Verfügung gestellten Projektraum der Grünen Bibliothek haben wir aufgrund der warmen und trockenen Witterungsverhältnisse in diesem Jahr noch nicht in Anspruch nehmen müssen. Immer haben wir uns bisher im Garten treffen können.
Aber zum geplanten Bau von neuen Vogelnistkästen im Winter und zu Planungsgesprächen zum Gemüseanbau für das nächste Jahr werden wir es bestimmt zu schätzen wissen, einen trockenen und warmen Raum zum Arbeiten zu haben bis zur Eröffnung des Kiez Zentrums Villa Lützow im nächsten Frühjahr.

Viel Freude hatten wir wie immer mit unseren jüngsten Mitgärtner*innen aus den Kindergärten, die mit viel Engagement und Spaß ‚bei der Arbeit‘ sind.

Vieles gibt es im Garten zu entdecken, auch die kleinsten Lebewesen werden häufig mit Ehrfurcht betrachtet, an Vögel und Insekten gedacht und beobachtet, die eigenen Beete von der Aussaat bis zur Ernte gepflegt.

Hier wird besonders deutlich, was der Garten uns neben vielen anderen Dingen vermitteln kann:

Lebendiges braucht Zeit.

Zeit zum Anschauen, Zeit zum Miteinander reden, Zeit zum Spielen, Zeit zum Entspannen, Zeit zum Aufbauen, Zeit zum Arbeiten, Zeit zum Organisieren, Zeit, um zu wachsen und wachsen zu lassen.
Und Zeit wiederum braucht einen Raum, um überhaupt stattzufinden.

Wir wünschen uns, dass unser Garten weiterhin solch ein Raum für die Nachbarschaft in Tiergarten-Süd sein wird.

…und natürlich auch ein Raum zum Feiern gemeinsamer Feste:
Weiter geht es in diesem Jahr mit unserem St. Martins-Fest mit Laternenumzug, Kürbissuppe und Stockbrot am Lagerfeuer am 12.11.2018!

 

        

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Saatgut-AG auf dem Herbstfest himmelbeet

Am 29.09. hat die Saatgut-AG auf dem Herbstfest des Himmelbeets bei tollem Wetter, ihre Arbeit präsentiert.

Info-Material, Saatgut zum Tauschen,  Bücher aus der Grünen Bibliothek, eine, für die Vielfalt der Hülsenfrüchte exemplarische Sammlung, ein kleines Gewinnspiel, sowie ein kleiner informeller Workshop zur Saatgut-Ernte, -Reinigung und -Lagerung, fanden reichlich Interesse unter den vielen Stadt-Gärtnern.

Inspiration und Anschauungsmaterila schenkten die reifen Pflanzen und Gemüse in den Beeten des Gartens und die im Himmelbeet hergestellten Produkte (Saft, Tees, Öl, etc…).

Vom Äpfel entsaften mit dem Dampfentsafter bis zu einem Pilzzucht Einsteiger-Workshop und der abschliessenden Jam-session – gab es ein rundum schönes Fest zu geniessen.

Nächster Termin für alle, die sich für die Thematik Saatgut interessieren und gemeinsam mit anderen Saatgut aus diesem Jahr reinigen möchten:

Am 19.10., in der Zeit von 15.00 – 18.00 findet in der Grünen Bibliothek ein Saatgut-Nachmittag statt.


Save the date: Saatgut-Nachmittag am 19.10.2018 in der Grünen Bibliothek

Für alle, die sich für die Thematik Saatgut interessieren:

In Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftsgarten himmelbeet findet alle zwei Wochen eine Saatgut-AG statt: https://wachsenlassen.wordpress.com/2018/08/04/saatgut-ag-in-der-gruenen-bibliothek-und-im-gemeinschaftsgarten-himmelbeet/


Großdemo im Hambacher Wald am 6.10.2018

Informationen unter: https://www.campact.de/kohleaus/demo/


Kartoffeltag im Gemeinschaftsgarten

Wir laden ein zum Kartoffeltag im Gemeinschaftsgarten!

Am Donnerstag, den 27. September 2018 in der Zeit von 16.00 – 19.00 Uhr

 

Wo: Gemeinschaftsgarten wachsenlassen, Lützowstr. 28, 10785 Berlin

Für wen: für alle, die gerne aktiv Umweltschutz in ihrem Kiez betreiben möchten und sich nachbarschaftlich austauschen wollen.

Was: gemeinsam Kartoffeln ernten und essen

Und was noch: Nachbarn kennenlernen, sich austauschen, über das Leben (in Tiergarten-Süd) reflektieren und kreativ werden beim biografischem Schreiben.

Und nach dem 27.9.: Wir suchen noch Nachbarn, die sich gemeinsam mit uns um die Vögel und Wildbienen in unserem Garten kümmern.

Info Kartoffeltagwl18

 

        

 


Rettet den Hambacher Forst!

Von Johannes Fasolt – Eigenes Werk, inspired by Ulrike, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1052284

Bei dem Hambacher Forst handelt es sich um einen Wald mit hoher ökologischer Wertigkeit, die sich aus Relikten von wärmeliebenden Arten ergibt, die in den Altwäldern vorkommen. In den noch verbliebenen Resten des Forstes wachsen Hainbuchen und Stieleichen. Zudem beherbergt der Wald zwei Kolonien der vom Aussterben bedrohten Bechsteinfledermaus, die durch Anlage von speziellen Weideflächen außerhalb des Forstes perspektivisch in andere Wälder im Umkreis des Tagebaus gelockt werden sollen. Die ältesten Bäume im Forst sind 350 Jahre alt.

Nach Angaben des Umweltverbandes BUND siedelten 2012 im bis 2030 von der Abbaggerung betroffenen Waldgebiet, das aus 226 Hektar „wertvollster Waldflächen“ bestehe, zwölf streng geschützte Fledermausarten. Insgesamt seien 142 geschützte Arten vorhanden.

Ursprünglich hatte die Bundesregierung sich als Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Dies ist nach einer Studien des Fraunhofer Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Sachverständigenrat für Umweltfragen auch im Jahr 2018 noch zu erreichen, falls die ältesten Braunkohlekraftwerksblöcke abgeschaltet würden und einige Braunkohlekraftwerke ihre Leistung leicht drosselten. Laut Recherchen der Deutschen Welle blieben auch ohne Rodung noch Vorräte für mindestens drei Jahre. RWE stellte hingegen in Schreiben an die Kohlekommission, an Ministerien und Presse die Behauptung auf, dass die umstrittene Rodung des Hambacher Forstes jetzt notwendig sei, damit die Kraftwerke die Stromproduktion in der nahen Zukunft aufrechterhalten können. Die Deutsche Welle sieht daher Anlass zu fragen, ob die RWE AG und RWE-Chef Ralf Martin Schmitz die Kohlekommission, Ministerien und Öffentlichkeit täuschen…

Lasst uns nicht tatenlos zusehen, wie unsere Erde täglich mehr verwüstet wird, unterstützt die Retter des Hambacher Forstes:

https://hambacherforst.org/


nach uns die Zukunft

Junge Eberesche in Berlin-Kreuzberg, Park am Gleisdreieck, Spätsommer 2018